„Was kostet das?" ist die Frage, die fast jedes Erstgespräch früher oder später erreicht. Und es ist die richtige Frage. Trotzdem bekommt man auf sie meistens keine ehrliche Antwort – sondern eine Gegenfrage, eine Präsentation, oder ein vages „Das kommt darauf an."

Ich versuche hier eine ehrlichere Einordnung. Keine Festpreise – die wären unseriös ohne den konkreten Kontext zu kennen. Aber eine klare Erklärung der Kostentreiber und was realistisch ist.

Was die Kosten bestimmt

1. Die Komplexität der Eingaben

Ein KI-Agent, der strukturierte Formulare aus einem einzigen System verarbeitet, ist einfacher umzusetzen als einer, der E-Mails in vier Sprachen, PDFs unterschiedlicher Qualität und EDI-Nachrichten gleichzeitig verarbeiten soll. Je unstrukturierter und vielfältiger die Eingaben, desto mehr Aufwand steckt in Training, Testing und Fehlerbehandlung.

2. Die Tiefe der Systemintegration

Ein Agent, der über eine saubere REST-API mit Ihrem TMS kommuniziert, ist schneller implementiert als einer, der per RPA-Fallback Bildschirmelemente bedient, weil keine API existiert. Wenn Ihr TMS eine gut dokumentierte API hat: gut. Wenn nicht: einkalkulieren.

3. Human-in-the-Loop-Design

Wie soll der Agent mit Ausnahmefällen umgehen? Eine einfache E-Mail-Eskalation ist schnell gebaut. Ein vollständiges Prüf-Interface mit Kommentarfunktion, Zuweisungslogik und Audit-Trail ist ein eigenes Entwicklungsprojekt.

4. Infrastruktur – On-Premise vs. Cloud

On-Premise bedeutet: einmalige Hardware-Investition, danach laufende Betriebskosten für Strom und Wartung. Keine monatlichen Token-Gebühren, keine API-Kosten, keine Abhängigkeit vom Anbieter.

Cloud bedeutet: geringere Einstiegshürde, aber laufende Kosten die mit dem Volumen skalieren. Bei hohem Auftragsvolumen kann das schnell teuer werden.

Für eine Spedition die täglich hunderte Aufträge verarbeitet, rechnet sich On-Premise fast immer mittelfristig.

Was realistisch ist

Eine ehrliche Einordnung ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen:

Prozessanalyse und Konzept: Das ist der kleinste Posten und der wichtigste. Wer hier spart, baut später das Falsche.

Pilot-Implementierung für einen Prozess: Das ist eine überschaubare Investition für ein klar abgegrenztes Projekt. Nicht das Budget eines Enterprise-Projekts – aber auch nicht der Preis einer einfachen Software-Lizenz.

Hardware für On-Premise-Betrieb: Ein geeigneter Server für kleinere Modelle ist heute erschwinglich. Größere Modelle mit höherer Genauigkeit erfordern leistungsfähigere Hardware – das ist ein einmaliger Posten.

Laufende Kosten: Bei On-Premise hauptsächlich Strom und gelegentliche Wartung. Kein Vergleich zu monatlichen Cloud-Rechnungen bei hohem Volumen.

Was die eigentliche Investition ist

Die Kosten der Implementierung sind eine Einmalzahlung. Die eigentliche Investitionsfrage ist eine andere: Was kostet es, es nicht zu tun?

Ein Disponent, der täglich drei Stunden mit Aufgaben verbringt, die ein Agent übernehmen könnte, kostet Ihr Unternehmen mehr als die meisten Implementierungsprojekte – und zwar jeden Monat, auf unbestimmte Zeit.

Das ist kein Argument dafür, blind zu investieren. Aber es ist ein Argument dafür, die Kosten-Nutzen-Rechnung vollständig aufzumachen – auf beiden Seiten.

Die eigentliche Investitionsfrage ist nicht was der Agent kostet – sondern was es kostet, ihn nicht zu haben.

Was ich Ihnen empfehle

Lassen Sie sich keine Festpreise nennen ohne dass jemand Ihre Prozesse verstanden hat. Und trauen Sie keinem Anbieter, der Ihnen eine Zahl nennt bevor er die richtige Frage gestellt hat: Was genau soll der Agent tun, mit welchen Eingaben, in welchem System, für wie viele Vorgänge täglich?

Erst dann ist eine seriöse Einschätzung möglich.